BIG Fluglärm fordert vollständige Berücksichtigung des Luftverkehrs in der Hamburger Klimastrategie
Mit der erstmaligen Veröffentlichung einer Hamburger CO₂-Schätzbilanz hat der Senat ein neues Instrument zur frühzeitigen Bewertung der Entwicklung der Treibhausgasemissionen vorgestellt. Die Bilanz zeigt, dass die Emissionen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent gestiegen sind. Hamburg entfernt sich damit vom notwendigen Reduktionspfad zur Erreichung seiner gesetzlichen Klimaziele.
Für den Umweltverband BIG Fluglärm ist die Einführung der Schätzbilanz grundsätzlich ein wichtiger Schritt. Frühzeitige Transparenz ist eine wesentliche Voraussetzung für wirksame Klimapolitik. Entscheidend ist nun jedoch, welche politischen Konsequenzen aus den Ergebnissen gezogen werden.
Klimapolitik braucht vollständige Ursachenanalysen
In der öffentlichen Diskussion standen nach Veröffentlichung der Schätzbilanz vor allem die Wärmewende, der Gebäudesektor, der Straßenverkehr und die Auswirkungen des kalten Winters im Mittelpunkt. Diese Bereiche sind zweifellos wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Klimapolitik.
Nach Auffassung von BIG Fluglärm bleibt jedoch ein wesentlicher Bereich weitgehend ausgeblendet: der internationale Luftverkehr.
Hamburg ist einer der bedeutendsten Luftverkehrsstandorte Deutschlands. Gleichzeitig entfallen rund 80 Prozent des Passagieraufkommens am Hamburg Airport auf internationale Flüge. Dennoch spielt der Luftverkehr in der aktuellen Debatte über die Hamburger Klimabilanz praktisch keine Rolle.
Internationale Flugverkehre bleiben außerhalb der Hamburger Bilanzierung
Die Hamburger Schätzbilanz wird nach der Methodik der Hamburger Verursacherbilanz erstellt. Diese basiert auf der Energiebilanz des Länder-Arbeitskreises Energiebilanzen und dient der Ermittlung der energiebedingten CO₂-Emissionen. Die zugrunde liegenden Hamburger Verursacherbilanzen weisen den internationalen Flugverkehr ausdrücklich nicht aus, während die Schätzbilanz auf derselben methodischen Grundlage aufbaut. Die Methodik der Schätzbilanz erläutert das verwendete Hybridverfahren, trifft jedoch keine eigenständigen Aussagen zur Behandlung des internationalen Luftverkehrs.
Für BIG Fluglärm ergibt sich daraus ein grundlegendes Problem:
Eine Stadt mit einem internationalen Verkehrsflughafen benötigt für ihre Klimastrategie eine transparente Darstellung der tatsächlichen Klimawirkungen des Luftverkehrs. Politische Entscheidungen können nur dann wirksam sein, wenn wesentliche Emissions- und Klimawirkungsbereiche nachvollziehbar berücksichtigt werden.
BIG Fluglärm fordert einen vollständigen Maßnahmenplan
Die Veröffentlichung der Schätzbilanz darf deshalb nicht das Ende der politischen Diskussion sein.
Der Senat hat angekündigt, eine Ursachenanalyse vorzunehmen und weitere Maßnahmen im Rahmen der Fortschreibung des Hamburger Klimaplans zu entwickeln. BIG Fluglärm fordert, diese Arbeiten transparent zu gestalten und den Luftverkehr ausdrücklich in die weiteren Überlegungen einzubeziehen.
Martin Mosel, Vorsitzender des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg und Vizepräsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), erklärt:
„Die Schätzbilanz ist ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz. Sie erfüllt ihren Zweck aber nur dann, wenn daraus konkrete politische Konsequenzen gezogen werden. Hamburg kann seine Klimaziele nicht glaubwürdig verfolgen, wenn ausgerechnet der internationale Luftverkehr als prägender Bestandteil unseres Flughafens in der weiteren Klimastrategie außen vor bleibt.“
Breite öffentliche Debatte
Die Veröffentlichung der Schätzbilanz hat eine intensive politische Debatte ausgelöst. Umweltverbände, Oppositionsparteien und Regierungsvertreter bewerten die Ursachen und notwendigen Konsequenzen unterschiedlich.
Das Hamburger Abendblatt griff die Position von BIG Fluglärm in seiner Berichterstattung ausdrücklich auf und stellte den Verband gemeinsam mit den großen Hamburger Umweltverbänden als Stimme in der aktuellen Klimadebatte vor. Dabei wurde insbesondere die Forderung aufgegriffen, die Klimawirkungen des internationalen Luftverkehrs künftig stärker in die Hamburger Klimapolitik einzubeziehen.
Für BIG Fluglärm bestätigt diese Resonanz, dass der Luftverkehr zunehmend als eigenständiges klima- und umweltpolitisches Handlungsfeld wahrgenommen wird.
Klimapolitik muss den gesamten Luftverkehr in den Blick nehmen
Hamburg verfolgt das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Dieses Ziel wird nur erreichbar sein, wenn alle wesentlichen Emissionsbereiche und Klimawirkungen transparent betrachtet werden.
BIG Fluglärm wird sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass der Luftverkehr nicht nur unter den Gesichtspunkten Lärm und Gesundheitsschutz, sondern auch als bedeutender Faktor der kommunalen Klimapolitik umfassend berücksichtigt wird.
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